Auszug aus der Chronik der
Großen Karnevalsgesellschaft Malsch e.V.
kurz: Grokage Malsch

Die Grokage im Wandel der Zeit

Hier in Malsch hieß es vor dem ersten Weltkrieg „Mir machet Bäres“, wenn man während der närrischen Tage vermummt durch die Straßen zog. Um nicht sofort erkannt zu werden, verkleidete sich der Narr, wobei Figuren des „Dominos“ oder „Bajazzos“ wohl zu den bekanntesten gehörten. Man bediente sich der „Saublose“, „Holzrätschen“ und „Batscher“, um die Passanten auf manchmal recht unsanfte Art und Weise daran zu erinnern, dass der Winter ausgetrieben werden sollte.

Am 21. Januar 1929 versammelten sich einflussreiche Malscher Bürger in der Restauration „Zum Rössle“, um diesen „Umtrieb“ in geordnete Bahnen zu lenken. Kurz vor 22 Uhr war es dann soweit: Die Große Karnevalsgesellschaft Malsch, kurz Grokage, war gegründet. Gemeinderat Emil Kühn wurde zum ersten Präsidenten des neuen Vereins berufen.

Gleich nach der Gründungsversammlung 1929 wurde der erste Umzug durchgeführt. Bereits ein Jahr später lud die Grokage zum ersten Rosenmontagsball in die Festhalle ein. 1932 konnte der Bürger für ganze 10 Pfennig die erste Narrenzeitung, Vorläufer der heutigen „Pflugschar“, erstehen. Der Standort der Narrentanne musste im Laufe der Zeit mehrmals gewechselt werden. Bevor der Baum wieder seinen Platz vor dem Gasthof „Eintracht“ fand, stand er vor dem „Ochsen“ bzw. auf dem Teilklotz beim „Adler“.

Der 2. Weltkrieg ließ sämtliche närrischen Aktivitäten erlahmen. Erst vier Jahre später gab es wieder den ersten „Bürgerball“.

Nach den Kriegswirren schaffte es 1948 eine Gruppe altgedienter Fastnachter um Johann Heinzler, das leckgeschlagene Narrenschiff wieder flott zu bekommen.

Im Jahre 1952 bekam Malsch seinen ersten „Prinzen Karneval“, den Vorläufer des heute noch regierenden Prinzenpaares. Im 80. Jahr regiert nun das 56. Prinzenpaar in Malsch.

Stets um den 11.11. herum wird der neue Prinz „herausgedeutet“. Es obliegt dem Narrenvater, dem gefundenen Kandidaten den Narrenschwur abzunehmen. Seit einigen Jahren wird bei der gleichen Veranstaltung nun auch die ihn begleitende Prinzessin vorgestellt.

Anfang der 50er Jahre bildete der Umzug, der „närrische Bandwurm“, noch den Höhepunkt der Malscher Fasent. Erst Ende dieses Jahrzehnts wurden die ersten Sitzungen durchgeführt. Das Geschehen dieser Veranstaltungen wurde durch zwei Einflüsse geprägt: Zum einen brachte das Mitglied Ferdinand Hügele aus Schonach alemannische Elemente ein, zum anderen repräsentierte Leo Weber mehr die rheinische Mentalität. Die spürte man auch beim närrischen Gruß, der von „Narrheil“ zum heute noch gültigen „Helau“ wechselte. Unter der Regie des Präsidenten Eugen Bürck, er leitete 28 Jahre lang die Geschicke des Vereins, starteten die Storchengarde sowie das Landgrabenballett, eine der ersten Männertanz-formationen im süddeutschen Raum, ihre Karrieren. Selbstverständlich, und da hat sich bis heute kaum etwas geändert, stand das Lokalgeschehen im Mittelpunkt der Sitzungen.

Seit Jahren sorgen nun die Jüngsten der Gesellschaft für einen lauten und bunten Sitzungsauftakt. Der „Narrensamen“ ist überhaupt das Aushängeschild des Vereins, gehören der Grokage Malsch doch eine beachtliche Zahl Kinder und Jugendlicher an. Eine exzellente Jugendgarde, ein Tanzpaar, der 1. Mälscher Fanfarenzug sowie der vor fünf Jahren neu ins Leben gerufene „Bollehohlchor“ sorgen weiterhin für allerbeste Stimmung während der insgesamt drei Sitzungen pro Kampagne, die seit vielen Jahren von der Sitzungskapelle des Musikvereins begleitet werden.

Von 1983 bis 1997 führte Präsident Werner Scherer die Grokage Malsch, ihm stand über die Amtszeit eine dynamische Verwaltung zur Seite. Dies bedeutete, dass man generell neuen Ideen stets aufgeschlossen gegenüber stand. So wurden in dessen Präsidentenjahre etliche neue Veranstaltungsformen installiert.

Nach dreijähriger Unterbrechung, zwischenzeitlich führte Manfred Rubel die Malscher Karnevalisten, stand Werner Scherer bis 2005 wieder auf der Kommandobrücke. Zu seiner Entlastung wurde im Jahr 2000 die Verwaltung neu strukturiert. Ihm zur Seite steht mit Wolfgang Rother der erste Vorsitzende, der sich mehr um die Vereinsbelange außerhalb der eigentlichen Kampagne kümmert. Seit der Generalversammlung 2005 heißt der Präsident Klaus Kassel.

Vielfältige Aktivitäten prägen das heutige Bild der Malscher „Fasebutzegesellschaft“. Neben den bereits erwähnten Sitzungen im Malscher Bürgerhaus ist am „Schmutzigen Donnerstag“ Fasent total. Nachmittags wird mit viel Brimborium die Narrentanne aus dem Wald geholt und bei der Stadtmühle aufgestellt. Abends muss dann der Bürgermeister den Gemeindeschlüssel abgeben, bevor die gesamte Gemeinde ihren „Bürgerball“ feiert.

Tags zuvor bietet die Grokage ihre Narrenzeitung „Die Pflugschar“ im Haus-zu-Haus-Verkauf an. Aus einer vierseitigen Startausgabe kann die Grokage im 80.Jahr bereits die 66. Ausgabe mit knapp 130 Seiten anbieten.

Weitere Bestandteile des jährlichen Angebotes der Grokage Malsch sind der „Närrische Frühschoppen“, bei dem das alljährliche Prinzenpaar inthronisiert wird, der traditionelle Kinderball am Rosenmontag, das „Närrische Straßenfest“ am Fasentdienstag sowie die Verbrennung am Aschermittwoch.

Wenn es der Terminkalender zulässt, dann beteiligt sich die Grokage auch außerhalb der eigentlichen Saison am kulturellen und sportlichen Leben in der Großgemeinde Malsch. So wurde u. a. eine Nikolaus-Aktion ins Leben gerufen, deren Erlöse sozialen Einrichtungen zugute kommen. Daneben lädt man auch die Bewohnerinnen und Bewohner des örtlichen Alten- und Pflegeheims zu einem kurzweiligen Nachmittag mit Verköstigung ein.

Der vereinseigene Fanfarenzug vertritt die Gesellschaft bei den unterschiedlichsten Anlässen. Seit mehreren Jahren besitzt die Grokage Malsch auch eine Maskenträgergruppe. Mit dem bereits erwähnten farbenfrohen Domino sowie holzgeschnitzten Masken, die den Vorbildern, dem „Bärbele“, einer Figur aus dem 30-Jährigen Krieg und der „Büttelschell“, einer ortsbekannten Persönlichkeit nachempfunden wurden, bietet die derzeitige Gruppe ein tolles Bild. Die stetig wachsende Formation beteiligt sich an Umzügen in der näheren und weiteren Umgebung. So schließt sich hier wieder der Kreis zu den Anfängen der Malscher Karnevalsgesellschaft.

Die Grokage Malsch belohnt ihre Aktiven mit dem jährlich wechselnden Jahresorden. Nach drei aktiven Jahren erhält man bei der Grokage den Hausorden, nach zehn Jahren den „Edelnarrenorden“. Darüber hinaus verleiht der Verein Ehrennadeln in Bronze (22 Jahre), Silber (33 Jahre) und Gold (44 Jahre) für langjährige Mitgliedschaften. Natürlich erhalten die treuen Mitglieder auch den „Goldenen Löwen“, die höchste Auszeichnung des badisch-pfälzischen Verbandes. Den Goldenen Verdienstorden des BDK durften in der Grokage bisher Eugen Bürck, Hans Abele, Werner Scherer und Wolfgang Rother entgegennehmen. Die silberne Variante tragen zwischenzeitlich Manfred Weichold und Kurt „Pfulle“ Kistner.

2002 erfolgte dann mit dem ersten Baggerbiss der Baubeginn des Vereinsheimes. Nach mehreren Vorschlägen einigten sich die Vereinsverantwortlichen mit der Gemeinde Malsch auf den Standort an der Bühnsporthalle. Auf über 300 m² Grundfläche steht nun ein imposantes Gebäude, das am 12. November 2005 eingeweiht werden konnte. Bis dahin wurden über 6000 Arbeitsstunden in das Projekt gesteckt. Das „Narrennest“ ist inzwischen zum gesellschaftlichen Mittelpunkt des Vereins geworden. Daneben steht es für Proben und Versammlungen bereit. Außerdem dient es als Lagerstätte für den reichhaltigen Fundus der Grokage Malsch.

2006 findet erneut ein „Jubiläumsumzug“ zur 77.Kampagne statt, den die Grokage zum wiederholten mal am Faschingssonntag veranstaltet hat. Der erste, nach jahrzehntelanger Pause, fand zum 75.jährigen Jubiläumsjahr 2004 statt. Sie sollen an die Gründerzeit erinnern und den Gründern zu Ehren, in Jubiläumsjahren und bei runden Geburtstagen, ihren Platz in der Kampagne wieder einnehmen.

2008 Wolfgang Rother, das dienstälteste Verwaltungsmitglied und zuletzt erster Vorsitzender, legt seine Ämter nieder. In vorbildlicher Weise führte er den Verein über 30 Jahre mit. Nunmehr reihte er sich wieder ein als einfacher Aktiver und übergab die an Führung Wolf-Günter Lieb, an der Seite von Präsidenten Klaus Kassel.

Zum 80. runden Geburtstag der Gesellschaft findet nun wieder ein Umzug statt. Zahlreiche Gruppen aus Malsch, den Ortsteilen und der näheren sowie weiteren Umgebung haben ihr Kommen zugesagt, so dass auf den Straßen der Gemeinde Malsch endlich mal wieder richtig „Bäres“ getrieben werden kann. Der Start dieses närrischen Spektakels erfolgt Sonntag den 8.Februar 2009, um 11.11 Uhr, am Gasthaus „Deutscher Kaiser“.

Wolfgang Rother / Wolf-Günter Lieb

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